Gegen 9.30 Uhr betrat er die Schule und ermordete dabei 9 Schüler, wobei er hauptsächlich auf Mädchen schoss, und 3 Lehrerinnen, unter ihnen eine Referendarin, die erst seit einigen Wochen unterrichtete. Bei der anschließenden Flucht erschoss er 3 weitere Menschen. Einen Pfleger der psychiatrischen Anstalt und 2 Personen in einem Autohaus, in welchem er ein Fluchtfahrzeug suchte. Schließlich richtete er sich selbst. Doch eine Frage bleibt: Warum? Wie ist ein Mensch dazu in der Lage,15 Menschen hemmungslos zu ermorden; sie regelrecht hinzurichten? Offensichtlich ist, dass dieser Mensch Schlimmes durchgemacht haben muss, bis er sich zu solche einer endgültigen Tat durchringen konnte. Ohne Zweifel litt Tim unter starken Minderwertigkeitskomplexen, welche bis zur Depression reichten. Er galt in der Schule unter Mitschülern als Außenseiter und Einzelgänger, was sicherlich auch ein Grund für diese Verzweiflungstat war. Wir stehen der Tat in erster Linie mit Verständnislosigkeit und Fassungslosigkeit gegenüber. Doch in einer gewissen Weise muss sich auch die Gesellschaft selbst eine Mitschuld für diese Tat geben. Ohne äußere Einwirkungen begeht niemand eine solche Tat. Es wäre falsch, den Amoklauf allein als Folge einer individuellen psychischen Störung darzustellen. Vielmehr muss man versuchen eine Gesellschaft zu schafften, in welcher jeder Mensch integriert und niemand zum Außenseiter wird. Eine solche Gesellschaftsform ist unserer Meinung nach leider Wunschdenken. Den ebenfalls falschen Weg sehen wir in Verboten von sogenannten Ego-Shootern. Es ist eben nicht so, dass wie von der Politik oft behauptet, ein normaler Jugendlicher durch Killerspiele zum Amokläufer wird, sondern vielmehr, dass sich ein Mensch mit bereits vorhandenen destruktiven Fantasien durch gewaltverherrlichende Materialien weiter bestätigt fühlt. Ebenfalls falsch empfinden wir die Forderung für hermetisch abgeriegelte Schulgelände mit Einlasskontrollen. Dies wäre ein weiterer Schritt zum Überwachungsstaat und eine hundert Prozent Sicherheit vor solchen Taten kann auch dieser nicht gewähren.
Hingegen sollten zur Prävention solcher Amokläufe und allgemeiner Gewalt sogenannte Stärkungen der Frustrationstoleranz, also der Fähigkeit Enttäuschungen zu verkraften und nicht in Aggressionen umzuwandeln, an Schulen durchgeführt werden. Hiermit könnte man schon früh verhindern, dass es zu Gewalt und letztendlich zu solchen Taten kommt. Außerdem könnte so erreicht werden, dass Misserfolge auch als Ansporn gelten um es beim nächsten Mal besser zu machen.
Ein weiterer problematischer Aspekt bei Amokläufen ist die Berichterstattung durch die Boulevardpresse. Diese stellten den Tatverlauf des Amoklaufs sehr real dar und regten so sicherlich auch zur Nachahmung an. Bis jetzt ist unklar, ob der Amoklauf von Alabama Tim K. als Vorbildtat diente, jedoch lässt der kurze zeitliche Abstand zwischen den beiden Taten dies vermuten.
Eins sollte uns jedoch klar sein, der Amoklauf von Winnenden war nicht der erste und wird mit Sicherheit auch nicht der letzte sein.
Am 12. März, dem Tag danach, hatten die meisten von uns erst ansatzweise realisiert, was am Vortag Schreckliches passiert war. Die Gespräche mit den Lehrern und Mitschülern sowie die „Brainstorming-Wand", an der wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen konnten, halfen uns das Geschehene zu verarbeiten.
Folgende Meinungen haben wir von der Wand übernommen:
„Ich finde es schrecklich und unbeschreiblich, was gestern passiert ist. [...] Jeder an unserer Schule sollte dazu beitragen einen Amoklauf zu verhindern, indem er auf sein Mitmenschen achtet und sie respektiert."
„Warum? Was muss mit ihm passiert sein, dass er dazu fähig war, unschuldige Menschen einfach umzubringen?! Und warum hat niemand vorher erkannt, was in ihm vorging? Muss erst sowas passieren, dass man sich um einsame Menschen Gedanken macht? [...]"
Natürlich müssen wir uns nun auch überlegen, welche bzw. ob wir Konsequenzen aus der Tat am 11. März ziehen. Einen Schulpsychologen, den sich ein nicht zu unterschätzender Teil von uns wünscht, wird es am HGG so schnell nicht geben. Welche Schulen einen Psychologen zur Verfügung gestellt bekommen, entscheidet nämlich das Land.
Informationsveranstaltungen, die für den Ernstfall vorbereiten sollen, wird es nur für Lehrer geben. Außerdem wird das Kollegium ein „Codewort" wie in Winnenden („Frau Koma kommt") einführen.
Abschließend sei gesagt, dass Mitschüler häufig viel eher als Lehrer bemerken, wenn ein Mitschüler gemobbt oder ausgeschlossen wird.
Wir am HGG sollten Mobbing und Ausgrenzung verhindern bzw. beseitigen, denn dann muss sich bei uns keiner so einsam und verloren fühlen, wie Tim es tat.
Laurin Wandel, Moritz Krumm und Jonas Jopp
Aus der SZ Frühling 2009 des Hans-Grüninger-Gymnasiums Markgröningen
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 26. April 2009 um 11:27 Uhr